19.07.2019

Kundenstimmen, Interview mit Hansruedi Moor-Minikus, Geschäftsleitung Alterszentrum Wenigstein

«Wir sind in einer aktiven Konkurrenz­situation angekommen, welcher sich jeder Marktteilnehmer stellen muss.»

Sehr geehrter Herr Moor, glauben Sie, dass bei einem wirtschaftlichen Abschwung auch die Alters- und Pflegeheimlandschaft betroffen wäre, oder ist der Markt im Gesundheitswesen davor geschützt?

Geschützt ist die Branche nicht. Wir stellen bereits heute fest, dass sich viele Menschen, welche zu unseren potenziellen Kunden gehören, stark mit der Frage beschäftigen, ob sie für die Pflege und Betreuung in einem Alterszentrum noch so viel Geld ausgeben wollen.

 

Bedeutet dies, dass wir auf einem zu hohen Preisniveau angelangt sind?

Absolut. Im Kanton Solothurn sind die bewilligten Tarife allein im Bereich Hotellerie bei CHF 173.– pro Tag und Bewohner angelangt.

 

«Das stationäre Geschäft allein genügt nicht mehr.»

 

Wie wirkt sich das aus?

Da von Spitexorganisationen und diversen privaten Anbietern andere Angebote am Markt platziert werden, verschärft sich die preisliche Situation natürlich zunehmend. Wir sind in einer aktiven Konkurrenzsituation angekommen, der sich jeder Marktteilnehmer stellen muss.

 

Wie können Sie sich in diesem Umfeld mit Ihrem tollen Betrieb abheben und positionieren?

Ich glaube, es ist wie in anderen Branchen eine einfache Sache: Diejenigen Institutionen, welche das beste Angebot zu den besten Konditionen lancieren, werden auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten die «Betten füllen» können.

 

Braucht es höhere Taxen?

Der Sozialstaat Schweiz ist am Limit angelangt. Wir können nicht weiterhin und stetig nach höheren Tarifen oder Taxen schreien. Das wird mittelfristig nicht mehr aufgehen. Wir müssen uns vielmehr auf die Frage besinnen: Was ist der heute pflegebedürftige oder ältere Mensch noch bereit zu zahlen?

 

Haben wir also das Limit der Finanzierung erreicht?

Die Preisspirale in den Heimen kann so nicht mehr weitergehen, ja. Es ist nicht mehr bezahlbar. Die Ergänzungsleistung stösst absolut an ihre Grenzen. Wir müssen günstigere Angebote lancieren, welche nach wie vor von guter Qualität, aber nicht überteuert sind.

 

Sie sind seit bald 20 Jahren im Wengistein: ist die Finanzierung zur zentralen Angelegenheit in Ihrem Job geworden?

Ja. Seit dem ersten Jahr sind die Tarife und Löhne kontinuierlich gestiegen. Gleiches gilt für die Betriebskosten. Die ganze Finanzierung und die Angebotsgestaltung sind zum zentralen Thema in meinem Job geworden.

 

Die Alters- und Pflegeheimbranche gilt ja als die letzte Versorgungskette. Wo sehen Sie trotz der beschriebenen grossen Herausforderungen die Chancen für Ihren Betrieb?

Die Chance liegt in der fundierten Betreuung im letzten Lebensabschnitt der älteren Menschen. Die Kernchance sehe ich dabei darin, dass gerade auch in unserem Haus, wo Menschen mit einem Durchschnittsalter von 92 Jahren leben, belegt ist, dass die Menschen immer älter werden und es dementsprechend auch genügend Angebote der stationären Pflege braucht.

 

Das heisst, dass Sie, um die Chancen wahrnehmen zu können, akzeptieren müssen, dass potenzielle Bewohnende deutlich später in Ihre Institution eintreten?

Korrekt, wir müssen unsere Dienstleistungen genau diesem Umstand anpassen, anstelle zu jammern und höhere Tarife zu verlangen.

 

Bedeutet dies auch, dass Sie Angebote intensivieren müssen, welche auf Menschen mit geringerer Pflegestufe ausgerichtet sind?

Genau in diese Richtung entwickeln wir uns hier im Wengistein. Wissen Sie, Menschen mit niedriger Pflegestufe und verhältnismässig guter Vitalität brauchen Gesellschaft, soziale Kontakte und einen spannenden Alltagsrahmen. Das sind Faktoren und Dienstleistungen, welche Alterszentren deutlich besser anbieten können als beispielsweise die lokalen Spitexorganisationen.

 

Ist das Ihr entscheidendes Positionierungsmerkmal?

Das kann man durchaus so formulieren. Wir gehen auf die Bedürfnisse aller Kunden ein, unabhängig von ihrer Pflegebedürftigkeit. Schauen Sie: die vorgelagerten Stellen, wie beispielsweise die Spitexorganisationen, haben sich in den früheren Tätigkeitsfeldern der Heime positioniert und auch etabliert. In der Folge ist es meine Aufgabe und auch die Aufgabe unseres Hauses, einen neuen Markt zu generieren und zu betreuen. Und dies tun wir mit den genannten Massnahmen sehr erfolgreich.

 

Braucht es in diesem Zusammenhang weniger Regulierungen oder mehr unternehmerische Freiheiten?

Diejenigen Regulierungen, welchen wir unterlegen sind, sind absolut vertretbar und in Ordnung. Auch in meinen unternehmerischen Freiheiten bin ich weitgehend frei. Einzig gewisse politische Prozesse würde ich mir in einer etwas beschleunigten Form wünschen.

 

Regulierungen sind demnach Qualitätsleitplanken, die Ihnen dienen?

Für mich sind es klare und nötige Auflagen, die es in unserer Branche absolut braucht.

 

Macht die Politik in Ihren Augen genug für die Langzeitpflege in der Schweiz?

Wir sind eine private Stiftung, erhalten keine Subventionen und keine Restdefizitdeckung. Wir sind sehr darauf angewiesen, dass die Zahlungsmoral in unserem Haus stimmt. Überall sonst gibt es doch einen Lenkungsmechanismus. Wir aber müssen Debitorenausstände abschreiben und selbst ausgleichen, obwohl wir einen einwandfreien Job gemacht haben. Das sind dann Bereiche, bei denen ich mir wünschen würde, dass diese von der Politik auch reguliert werden.

 

Wünschen Sie sich von der Politik auch mehr Freiheiten in der Diversifikation der Leistungen, damit Sie gewisse Einnahmeeinbrüche kompensieren können?

Als Mitglied der Fachkommission Alter des Kantons Solothurn führe ich gerade diese Diskussionen. Sie sprechen eine ganz entscheidende betriebswirtschaftliche Sache an. Von der Politik bekommen wir zu hören, dass wir doch etwas bescheidener sein sollen mit diversifizierten Angeboten. Gleichzeitig müssen wir aber mit der erhöhten Konkurrenzsituation leben, gezwungenermassen neue Dienstleistungsformen angehen, mit immer späteren Eintritten zurechtkommen und, nicht zuletzt, die generelle Herausforderung der Finanzierung selbst lösen.

 

Es fehlen also die Basiskenntnisse in der Politik?

Wir bedienen neue Generationen, neue Anspruchsgruppen und müssen uns generell neuen Anforderungen mehr denn je stellen. Das muss die Politik verstehen. Wir müssen heute eine Umgebung bieten, in welcher eine angenehme Atmosphäre herrscht und in der die Gäste mit modernen und guten Dienstleistungen empfangen und betreut werden – und zwar alle Gäste. Ausser für die Bewohnenden müssen wir zwingend auch für andere Zielgruppen offen sein, um alles finanzieren zu können.

 

Das stationäre Geschäft allein genügt nicht mehr?

Der Kunde, die Angehörigen und auch viele Anspruchsgruppen wollen und fordern Wohnen mit zusätzlichen Dienstleistungen sowie À-la-carte-Leistungen. Nur diejenigen Unternehmen, die sich in diese Richtung entwickeln, werden die Chance haben, das nicht mehr ausreichend gewinnbringende stationäre Geschäft teilweise zu kompensieren.

 

«Wir gehen auf die Bedürfnisse aller Kunden ein, unabhängig von ihrer Pfelgebedürftigkeit.»

 

Ihr Haus lebt heute schon in beispielhafter Art und Weise die Diversifizierung vor. Sie bieten über 26 Konzerte pro Jahr an, welche die Tore des Wengistein aufstossen.

Wir dürfen nicht nur ein Ort sein, welcher einzig ältere Menschen beheimatet. Wir müssen auch dafür sorgen, dass es zu einer guten Vermischung von Alt und Jung kommt. Wir müssen schauen, dass sich alle Teile der Bevölkerung bei uns wohlfühlen, sei es während eines Konzerts, bei einem kurzen Feierabendbier oder einem feinen Mittagessen.

 

Bei der von Ihnen skizzierten Strategie hat auch die Namensgebung «Alters- und Pflegeheim» keinen Platz mehr, oder?

Das ist richtig. Ich glaube, Alter und Pflege sind zwei negative Attribute, die generell nicht mehr passend sind. Die Betriebe entwickeln sich zu Gesundheitszentren, Begegnungsorten, Veranstaltungsorten und Gastronomiebetrieben hin, das muss im Branding und in der Vermarktung definitiv berücksichtigt werden, ansonsten werden weder neue Bewohnende, noch die kommenden Generationen, und schon gar nicht Drittpersonen zu einem Besuch animiert werden können.

 

«Die Firma NEXUS ist eine Modellfirma.»

 

Fällt es Ihnen mit Ihrer Marke Wengistein einfacher, an qualifiziertes Personal zu kommen, oder ist Branding dafür nicht notwendig?

Das Branding und unsere Marke Wengistein zeigen auf, dass wir ein moderner Betrieb mit moderner, zeitgerechter Vermarktung und eben auch mit modernen Personalkonzepten sind. Dass wir eine Marke leben und nicht eine Bezeichnung (es war die Rede von «Alters- und Pflegeheim») ist sicherlich ein Vorteil in der Rekrutierung und Aussendarstellung.

 

Sind moderne Arbeitsmittel auch ein Faktor, auf welchen Sie im Bereich Personal setzen?

Für uns ist absolut entscheidend, dass unsere Mitarbeitenden mit den modernsten verfügbaren Arbeitsmitteln arbeiten. Dies ist auch einer der vielen Gründe, weshalb wir im Softwarebereich auf Produkte der Firma NEXUS setzen.

 

Weshalb setzen Sie seit Jahren auf NEXUS?

Die Firma NEXUS ist für mich eine Modellfirma. Wir sind auf Fachspezialisten in allen Detaillierungsgraden angewiesen. NEXUS erfüllt diese Anforderung in allen Aspekten seit vielen Jahren konstant. Die beindruckende Bandbreite an Referenzen und die Zufriedenheit mit den Angeboten, Dienstleistungen und Produkten führen dazu, dass ich NEXUS aus Überzeugung empfehle.

 

Woher stammt das grosse Vertrauen in die NEXUS-Produkte?

Durch einen stets hervorragenden Service und beste kundenorientierte Kommunikation. Uns im Wengistein entspricht die Art und Weise, wie sie mit Kunden umgehen, die Weiterentwicklung vorantreiben und als Marktführer in dieser hochkomplexen Welt zu 100 Prozent agieren.

 

«Hervorragender Service in einer hochkomplexen Thematik – dafür steht die Firma NEXUS»

 

Vertrauen können wir alle auch in unser Land. Was würden Sie trotzdem gerne verändern?

Weniger Populismus und mehr differenzierte Gespräche auf politischer und gesellschaftlicher Ebene würde ich mir sehr wünschen.

 

Was schätzen Sie besonders an unserem Land?

Dass ich am Staat Schweiz beteiligt bin – auf kommunaler, kantonaler und Bundesebene – ist ein unschätzbares Gut, was ich sehr schätze.

 
Zahlen und Fakten

Der «Wengistein», wie unsere Institution im Volksmund genannt wird, ist eine vom Kanton Solothurn anerkannte, private Stiftung, mit einem definierten Leistungsauftrag im Bereich der stationären Altersarbeit. Die Erfüllung unseres Auftrages wird regelmässig durch das Amt für soziale Sicherheit, Kanton Solothurn, als Aufsichtsstelle kontrolliert. Insgesamt betreuen wir rund 100 hochbetagte Menschen, vorwiegend im stationären Bereich, ergänzt durch das Angebot eines Tageszentrums sowie durch die Möglichkeit von Ferien- und Entlastungsaufenthalten. Wir beschäftigen zurzeit 160 Mitarbeitende und bieten in allen Dienstleistungsbereichen fachspezifische Ausbildungsplätze an. Der «Wengistein» ist auch ein Treffpunkt für ein aussenstehendes Publikum und bietet diverse Veranstaltungen wie auch ein öffentliches à la Carte Restaurant für Jung und Alt an.

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